Die Entwicklungsgeschichte des Theaterspiels in Saaldorf bis zum 2. Weltkrieg

Die den Bayern allgemein zugesprochene Freude am Theaterspielen läßt sich in der Gemande Saaldorft betont feststellen. Genau läßt es sich nicht nachweisen, wann in Saaldorf das erste Mal Theater gespielt wurde, nachdem schriftliche Unterlagen fehlen und persönliche Erinnerungen nur etwa bis in die 30er Jahre zurückreichen. Ein glücklicher Umstand veranlaßte den Berichterstatter der Volksbühne Josef Buchwinkler im Jahre 1977 mit einem der ältesten noch lebenden Theaterspieler Ferdinand Kern, der im Jahr darauf bereits verstarb über die Saaldorfer Theatergeschichte zu sprechen. Theatergeschichtlich interessante Fakten sind uns damit erhalten geblieben. Theatergeschichte also aus mündlicher Überlieferung, dessen wert wir erst jetzt erkennen.

Ferdinand Kern und andere "ganz alte Bürger" der Gemeinde waren der Meinung, daß vor dem 1. Weltkrieg nur fremde Gruppen in Saaldorf Theater spielten, vorwiegend Puppentheater. Ein eigenständiges Theaterensemble gab es nicht. So ist der Beginn der Saaldorfer Theatergeschichte wohl auf die Zeit um 1920 festzulegen. Ferdinand Kern gehörte der Spielgruppe an, die in Saaldorf das Theaterspiel aus der Taufe hoben. Sie setzten nach dem 1. Weltkrieg den Grundstein, gaben den Anstoß zum Theaterspielen in Saaldorf. Zu diesen Pionieren gehörte vornehmlich auch der Schreiner Franz Langwieder, der diese Gruppe damals leitete. Er ist bereits 1935 verstorben. Mit dabei war auch dessen spätere Frau, Anna Romstädter, die im Jannuar 1978 verstarb. Weitere Theaterspieler der damaligen Zeit waren Ferdinand Hafner, Ludwig Moosleitner, Peter Ehinger, Josef Geierstanger und Schuhbeck, Ferdinand Rehrl welcher später als Missionsbruder nach Afrika ging sowie Hans Friesenecker und Martin Stöckl.

Für die Gesamtleitung sorgte damals der Veteranenverein, der auch die Bühne erstellte, wobei die Bachtlauernsöhne von Stützing, Hans, Georg und Kaspar Pöllner maßgeblich daran beteiligt waren.

Folgende Stücke kamen im Jahr 1920 zur Aufführung: "Andreas Hofer", "Der Meineidbauer", "Die Junggesellensteuer" und "Das blutige Edelweiß". Der Erlös aus mehreren Aufführungen diente mit zur Beschaffung des Saaldorfer Kiegerdenkmals im Jahre 1921. Auch anläßlich des Feuerwehr-Jubiläums 1924 hat man Theater gespiel, den Einakter "Der dipürte Branddirektor".

Wenn auch seinerzeit noch nicht regelmäßig gepielt wurde, wie das heute der Fall ist, so setzte sich doch das einmal Begonnene fort. Eine damals wieder jüngere Generation erschien auf der Bühne: Pauline Baumgartner, Maria Baumgartner, Maria Niederstraßer, Margarete Pöllner, Rudolf und Ludwig Hierl, Anton Kern, Heinrich Eder, Peter Rehrl, Georg Mayr und Hans Auer. Die drei letztgenannten sind bereits im 2. Weltkrieg gefallen.

Diese Spielergeneration, von der auch noch Fotos vorliegen, stand in den dreißiger Jahren auf der Bühne. Gespielt wurde im Saal vom Mayr-Wirt. Das Publikum war auch damals zwischen alt und jung sehr ausgeglichen. Die Aufführungen gingen Sonntag nachmittags und abends über die Bühne. Die eigene Rolle schrieb man noch mit der Hand vom Original-Bühnenmanuskript ab. Die Beweggründe zum Theaterspielen waren die Freude am Spielen selbst und die Möglichkeit, sich mit gleichgesinnten, lustigen Menschen zu treffen. Viel Gaudi gab es schon bei den Proben, dafür sorgten besonders Toni Kern und Heini Eder.

Gespielt wurden vorwiegend lustige Stücke, die beim Publikum am besten ankamen. Einer der größten Erfolge der damaligen Zeit war das Lustspiel "Die drei Eisbären", von dessen Aufführung uns noch einige Fotos erhalten geblieben sind und Zeugnis jener Theaterepoche abgeben.

Dieses Kapitel über die geschichtliche Entwicklung des Theaterspielens in Saaldorf wäre nicht vollständig ohne den Hinweis auf einen weiteren Förderer des Laienspiels, dem damaligen Saaldorfer Schulleiter Johann Gauert. Auf seine Anregung und unter seiner Leitung konnten sich die Saaldorfer Schüler bereits im Theaterspielen erproben. Erinnert sei hier an einen anläßlich einer Schulfeier aufgeführten Einakter "Die Entrümpelung".

Dann kam der 2. Weltkrieg. Die meisten männlichen Theaterspieler mußten an die Front, eine Theateraufführung schien unmöglich. In dieser düsteren Zeit arrangierte die damalige Ortsbauernführerin Maria Zeif-Maulfurth unter schwierigsten Bedingungen einen recht erfolgreichen Bunten Abend, bei dem ein von zwei Mädchen gespielter Einakter zur Aufführung kam: "Ein Landmädchen im Stadtkino". Darstellerinnen dieser von Lachsalven begleiteten Szene waren Hermine Öllerer und Katharina Niedermüller.

 

Das Theaterspiel nach dem 2. Weltkrieg bis zur Neugründung

Die "Seite 1" der umfangreichen Untgerlagen und Aufzeichnungen der Volksbühne Saaldorf beginnt mit dem Protokoll zu Neugründung einer Theatergruppe, der "Volksbühne Saaldorf".

Den Anstoß zur Neugründung gab wohl der damals in Saaldorf unterrichtende Lehrer Johann Rentz, dem eine geordnete Vereinsführung mit gewähltem 1. Und 2. Vorstand, mit Schriftführer und Kassier, eine Vereinsarbeit mit verantwortlichem Spielleiter, Bühnenbauer, Bühnenbeleuchter, Maskenbildner usw. notwendig schien.

Dafür brauchte er Idealisten, die gerne ohne Entlohnung ihre Freizeit für eine gute Sache opferten und sich für die ich zugedachten Funktionen voll einsetzten.

Dies waren ehemalige Spieler und Förderer der Theatergruppe wie Auguste Keller, Georg Steinwendner, Albert Rott und Stefan Armstorfer, die sogleich diesen Plan unterstützten und am 28. April 1953 das Startzeichen zur Gründung der Volksbühne Saaldorf gaben.

Johann Moser stellte sich als Bühnenmeister zur Verfügung; diese Funktion übernahm kurz Zeit später Stefan Armstorfer. Erich Danneberg oblagen die Malerarbeiten und Franz Ebersberger war für die Bühnenelektrik und -beleuchtung verantwortlich. Weiters boten ihre Untersützung an: Franz Schindler, Sebastian Langwieder, Albert Steinwendner, Anton Wimmer, Hans Zopf, Katharina und Paul Rehrl, Maria Buchwinkler und Maria Schindler.

Diese Truppe nahm dann sogleich die Planung für den Bau einer neuen Bühne im neuausgebauten Saal der Gastwirtschaft Mayr, Saaldorf, in Angriff. Das leidige Problem der Finanzierung bereitete schon damals Sorgen. Obwohl das Holz von Bauern der Gemeinde geschiftet wurde und alles selbst angefertigt werden sollte, wies der Finanzierungsplan doch erhebliche zusätzliche Materialkosten auf. Diese sollten durch eine Haussammlung und dem Reinerlös eines "Bunten Abends" gedeckt werden.

Wegen einer Hagelkatastrophe in der Gemeinde Saaldorf sah man schließlich von der Haussammlung ab, der "Bunte Abend", die erste Veranstaltung der Volksbühne, wurde ein großer Erfolg. Ein gutes Omen für diesen Neubeginn.

Trotz der trüben Kriegsjahre blieb die Leidenschaft zum Theaterspielen in Saaldorf fest verwurzelt. Vorwiegend glücklich aus dem Krieg zurückgekehrte ehemalige Soldaten fanden sich, wohl aus der Überlegung heraus, daß allgemeine und das eigene Leben mit diesem schönen Hobby zu normalisieren.

Bereits zu Ostern 1947 ging das erste Stück über die Bühne: "Die Welt geht unter". Darsteller dieses Stückes waren: Albert Rott, Johann Schleich, Lambert Mayr, Johann und Stefan Armstorfer, Georg Steinwendner, Anni Schleich, Maria Schirghofer, Maria Schleich und Helga Stöger.

Josef Bauregger führte diese Gruppe an, die künstlerische Gestaltung übernahm Frau Auguste Keller, die von ihrer früheren Theatertätigkeit in München der Spielgruppe wertvolle Impulse und anregungen geben konnte. Nicht zu vergessen das vorbildhafte Spiel von Ferdinand Gassner, der eine jahrzehntelange Theatererfahrung mitbrachte, die er sich als Mitglied einer Wanderbühne erworben hatte.

Schon diese erste Aufführung im Mayrwirtsaal war gut besucht. Dies gab den Spielern neuen Auftrieb, so daß im Laufe der nächsten Jahre weitere Stücke einstudiert wurden: "Die drei Eisbären", "Die Sonnleitner-Buam", "Der siebt Bua", "Grenzfeuer", ein Schmugglerstück und "Der Jäger von Fall". Das Stück "Grenzfeuer" wurde sogar außerhalb der Gemeinde in Petting, Oberteisendorf, Weildorf und Berchtesgaden aufgeführt.